AZUDEMSK - Das Interview

AZUDEMSK Interview

…So rückt zusammen, was zusammen gehört!

Nachdem man mittlerweile diverse ruhige und wilde Abende miteinander verbracht hat, lag die Überlegung nicht allzu fern, mal ein Gespräch geordnet aufzuschreiben und euch als Interview zu präsentieren. Diejenigen die Azudem kennen, wissen, dass der Mann eine ganze Menge zu erzählen hat. Da eine Albumlänge dafür bei weitem nicht ausreicht, haben wir uns mit AzudemSK zusammengesetzt und ein paar interessante Dinge über ihn herausgefunden.
Wir wollen nicht zu viel vorwegnehmen, also gebt euch das Interview und seht selbst wie sich die Kreise schließen.


Dein Bezug zu Leipzig hast du ja schon in anderen Interviews und spätestens auf dem Track „Leipzig & ich“ klar gemacht - wie hat die Geschichte mit dir und unserem wunderschönen Leipzig denn eigentlich angefangen?

Ein damaliger Kumpel von mir hat bei einer völlig absurden Dorffest-Situation in Sachsen (wo er als Schlagzeuger inner Band gespielt hat) Biest & Blair kennengelernt. Paar Wochen später warn die beiden meine Gäste und es hat auf Anhieb gefunkt.


Was macht Leipzig abgesehen von den Leuten besonders besonders für dich?

Natürlich irgendwie in erster Linie mein eigener Bezug zur Stadt, der mir in vielen Belangen doch recht nah geht. Als ich Leipzig kennengelernt habe, wars rough, hart, kalt, und irgendwie zornig. Aber wieviel sehe ich davon, und wieviel von dieser Einschätzung bring ich selber mit? Damals passte das innen & außen irgendwie gut zusammen, sonst hätt ich ja nicht so oft den Weg auf mich genommen. Zu meiner Zeit in Jena bedeutete Leipzig auch immer ein Ankommen, nicht nur ein Rauskommen. Die Crew war so intakt wie ich intakte Crews noch nicht gesehen hatte, und die Gangart war in vielen Belangen irgendwie direkter, ehrlicher, wenn auch schroffer. Das hat mich inspiriert und gebettet, keine Frage. Als es mir zu viel wurde musste ich davon auch mal ein paar Monate und Meter Abstand wahren. Aber unterm Strich kenn ich die Geister meines Vertrauens jetzt gute 12 Jahre.

 
Was hat dich am Ende nach Berlin verschlagen?

Die Auflösung der letzten WG in Münster und damit meiner 4-jährigen comfort zone. Ich hatte in der WG 2 ganze LPs geschrieben, classic & Bis das Leben applaudiert, und fühlte mich das erste mal in Münster wirklich heimisch. Man hat gemerkt, dass man zuhause is, der Kiez, der Alltag, der Start in die Selbstständigkeit, das Musiker-Dasein. Alles war stabil, und doch dachte ich täglich, dass da noch mehr gehen muss. Was Berlin angeht ist es kein Geheimnis, dass ich seit eh und je für diese Stadt schwärme. In erster Linie wohl historisch bedingt, aber ich kann sie auch einfach gut riechen. Sowas geht ja immer Hand in Hand. Väterlicherseits ist das auch ein Stück Heimat, und ich meine das auch immer wieder zu merken. Ich habs halt einfach aufgeschoben, u.a. weil in Münster einfach so viel zu tun war..

 
Hat Berlin deine Sicht auf Rap und/oder Graffiti verändert?

Ja, als 2002 das Deutschrap Feld von hinten aufgerollt worden ist. Ich war bei downstairs, wo im Hinterzimmer gerade Aggro Berlin gegründet worden war, und wir ham Bushidos Beats bis zum erbrechen gefeiert. Fler hatte gut viel tags in Schöneberg und man bekam sofort mit, was der Unterschied zu Fanta4, den Beginnern oder Freundeskreis war. Alles Gruppen, die ich auch viel gehört habe, nur ändert sich der state of mind auch im Alter von 12-16. Rückblickend war es mehr als sinnvoll, dass Deutschrap damit konfrontiert worden ist, dass er belanglos und zu weich war, um ernstgenommen zu werden. Was durch die Berliner Keule von WBM & Konsorten losgetreten und später draus geworden ist, steht auf einem anderen Blatt.
Graffiti technisch bin ich mit Berliner Einfluss aufgewachsen. Das erste Buch, das erste Video, die ersten Stories, stammten alle aus Berlin. Mein Bruder hatte einen guten Riecher, und einen unendlichen Anspruch an Style. Insofern wurde Odem rezitiert, Amok kopiert und tausend sketches gemacht. Dann kam die erste Overkill, Ruzd in True 2 the game und gleichzeitig wurden Fotos, Fotos und noch mehr Fotos gemacht, als es Mitte noch gab. CBS, BC, GHS, Friedrichstraße, Tacheles, aber auch Pallas in Schöneberg, S1 & S2 line, Anhalter, das volle Programm. Das alte Berlin in seiner Reinform, voller Brachen, Leerstand & Historismus zum anfassen, bevor annähernd alles den Investoren zum Opfer fiel.


Inwiefern hat sich Graffiti aus deiner Sicht in den letzten 10 Jahren für dich und auch allgemein verändert? Welchen Einfluss hat oder hatte Social Media dabei?

Beim Thema social media ist schon alles gesagt. Das analoge Leben eines Sprühers, was in erster Linie aus schweigen und sprühen bestand, ist aus der Form gehoben. Natürlich ist Graffiti zutiefst narzistisch, und insta & facebook & co triggern ja genau diesen Narzismus, die Selbstdarstellung, Selbstbeweihräucherung. Nur dass es heutzutage viel schneller geht, sich „einen Namen“ zu machen, bzw. sich öffentlichkeitswirksam darzustellen. Meine Sicht auf die Dinge ist immer noch stark analog und organisch geprägt. Ich rieche Großmäuler und social media toys auf Kilometer, das kannste mir glauben. Ich bin selber erst seit kurzem auf insta weil ich immernoch kein smartphone besitze, die Seite aber für Künstler für mich unabdingbar geworden ist wie ich meine. Und natürlich dreht sich auf insta für mich dann doch fast alles um Graffiti.. da muss man schon mal aufpassen nich die gleichen idiotischen oberflächlichen Züge anzunehmen, wie viele toys, von denen früher keiner gesprochen hätte, weil sie sich nichts wirklich erarbeiten.


Was war bei dir zuerst da - Graffiti oder Musik?

Graffiti, aber Musik lief schon immer im Hintergrund. Nur dass ich mich irgendwann getraut habe auch mal was zu sagen.


Gibt es Parallelen bei deiner Herangehensweise an Graffiti und Musik?

Kein Plan, ich habe das früher eher als konträr betrachtet. Meine Art des musizierens ist ja schon vom Maulaufreißen geprägt, Graffiti von Fresse halten. Das war anfangs schon schwierig, mich da selber ernstnehmen zu können, weil ich die schweigende Kredibilität eines Writers schon sehr schätze.


Wird das eine durch das andere beeinflusst?

Mit Sicherheit, wenn beides intensiv ausgeübt wird.


Woher kommt die Liebe zur Musik? Hast du eine musikalische Familie oder waren es eher Einflüsse von außerhalb?

Musik hat schon immer eine große Rolle gespielt, in meiner Familie, meinem Freundeskreis, meinem Denken, meiner Gefühlswelt. Musik ansich ist der größte emotionale Einfluss, dem ich niemals entkommen kann oder will.


Noch ein paar abschließende Worte?

Habt Euch lieb und seid solidarisch - das Leben ist zu kurz für Ignoranz und Selbstgerechtigkeit. Peace!

 

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